U-Boot: Die Orkanfahrt der U31 | die nordstory | NDR Doku

U-Boot: Die Orkanfahrt der U31 | die nordstory | NDR Doku


Untertitel:
Norddeutscher Rundfunk 2015 Ich geh jetzt auf die andere Seite. “Die perfekte Welle” würde jetzt
vielleicht passen. Ja, danke. ‘ne Wellenhöhe von acht Meter jetzt,
das habe ich noch nicht miterlebt. Marinestützpunkt Eckernförde. Der Heimathafen von U 31. Zwei Tonnen Lebensmittel
gehen an Bord. Union? Union, ja. Proviant für zwei Wochen
und 28 Mann Besatzung. Ihr Ziel: die Südküste Englands. Kapitän Lars Gössing hat seit einem
halben Jahr das Kommando über U 31. Abwärts! Fünf Jahre hat er sich dafür
ausbilden lassen. Eine eigene Kajüte
hat nur der Kapitän an Bord: Vier Quadratmeter. Ja, das ist das neue Zuhause, das Zuhause
für die nächsten sechs Wochen. Das macht man sich so gemütlich,
wie’s geht, ist ja klar. Paar Bilder, Kosmetikkram,
was man braucht. Ausreichend Unterwäsche –
alles dabei. Das mit der Kosmetik
meint der Kommandant ernst. Bei mehreren Wochen
Leben in einer Maschine ist Reinigungswasser für ihn eine
Erste-Hilfe-Maßnahme für die Haut. Was die Besatzung erst wieder beim
Landgang braucht, kommt nach vorne. Das wird als Staumöglichkeit
genutzt, weil wir den Platz haben. Wenn wir Torpedos an Bord haben,
wird’s schwieriger. Dann müssen wir
andere Stellen suchen. Guten Tag, Besatzung Delta.
(alle) Guten Tag, Herr Kapitän. Augen geradeaus.
Besatzung Delta rührt euch! Auf Manöverstation!
(alle) Auf Manöverstation. 1000 Seemeilen Fahrt liegen
vor Kommandant und Besatzung. Ihre Route: Von Eckernförde durch die Ostsee
bis hoch nach Norwegen. Tschüssi. Von dort durch die Nordsee
nach Südengland. Die größte Herausforderung ist bei
dieser Fahrt, wie bei anderen auch, Boot und Besatzung
wieder heil nach Hause zu bringen. Das ist immer
die größte Herausforderung. Auftrag des deutschen U-Bootes: Die Teilnahme
an einer Marineübung vor Plymouth. Die Wetterbedingungen
südlich von England sind momentan
nicht besonders vielversprechend. Wir haben
50 Knoten Wind vorhergesagt. Die Hoffnung ist, dass in einer
Woche, wenn wir da ankommen werden, dass sich das beruhigt hat. Denn andernfalls können wir da
sieben Meter Welle haben. Dann hat auch diese Besatzung
ordentlich daran zu beißen. Klarmachen zum Tauchen! Klarmachen zum Tauchen!
* (Funk) Klarmachen zum Tauchen! * Nur in der Eckernförder Bucht geht das U-Boot vor Antritt der Reise
für kurze Zeit auf Tauchstation. Die Transitfahrt bis nach Südengland
wird U 31 über Wasser fahren. Das Turmluk ist zu.
Cockpitabdeckung in Stellung. Öffnen, schließen, hydraulisch. Der Turmluk ist zu.
Klar bei Entlüftung. Fluten, auf Sehrohrtiefe gehen! Fluten, auf Sehrohrtiefe gehen! (alle) Fluuuten! Jede Tauchfahrt eines Unterseebootes
der deutschen Marine muss vom Marinekommando
genehmigt werden. Für dieses kurze Tauchmanöver
hat Kapitän Gössing die Erlaubnis. (Funk) * Elf Meter. * Ja. * Zwölf Meter. * Ja. Zwanzig Meter tief
ist die Eckernförder Bucht hier. Unterm Kiel
bleiben vier Meter bis zum Grund. Klarmachen zum Auftauchen! An den Kommandanten: Das Unterdeck
ist klar zum Auftauchen. Fünf Millibar Unterdruck.
Druckausgleich wird hergestellt. 13 Meter, Boot steigt. (Funk) * Ja. Anblasen! * Anblasen! Eins, zwo, drei, vier
werden geblasen. 35 Bar. Mit 40 Bar strömt die Druckluft
in die Tauchzellen, um das Boot nach oben zu bringen. 1500 Tonnen steigen auf. Zweiter Tag auf See. Frühmorgens vor der dänischen Küste. Ab jetzt ist der Kontakt
mit der Familie nicht mehr möglich. Kein Handyempfang, kein Internet. Ein U-Boot kann
von zwei Orten gesteuert werden. Unten aus der Zentrale oder
von draußen, oben von der Brücke aus. Das ist ein gutes Gefühl,
wenn man wieder auf See ist. Aber da gehört noch viel mehr zu. U-Boot fahren
ist keine Ein-Mann-Show. Das lebt davon, dass man
in der Gemeinschaft unterwegs ist. Die Besatzung ist
wie eine zweite Familie, das Boot wie ein zweites Zuhause. Ich bin mehr Tage mit den Jungs
zusammen als mit meiner Familie. Dann sagt man:
Okay, man kennt alle Leute. Man sieht, wie es den Leuten geht
oder kriegt das schnell mit. Jeder kennt jeden,
jeder ist für jeden da. Jeder weiß um die Schwächen, aber
auch um die Stärken des anderen. Man weiß, wie man
den anderen unterstützen kann, wenn Hilfe benötigt wird. Es ist tatsächlich so: Ohne mit der Wimper zu zucken, würde ich mein Leben
meinem Nebenmann anvertrauen. Mit dabei auf der Reise:
drei Marineschüler. Noch ist nicht für alle klar,
ob U-Bootfahren ihr Ding ist. Wo ist der Schüler?
Der kommt sofort. Wir werden die Runde durchgehen,
damit Sie Ihre Einweisung haben und in Zukunft das auch
alleine durchgehen können. Den Rollenplot schon mal schnappen. Viel Spaß! Und gut aufpassen,
was er erklärt. Heute steht der Kontrollgang
auf dem Lehrplan. Von der Zentrale im Hauptdeck
geht es runter ins Zwischendeck. Wir gehen nach vorne
in den Torpedoraum, kontrollieren da die Bilge
und die Außenbords-Durchbrechungen. Es befinden sich sechs Torpedorohre
im Bug des Bootes. Da sehen wir: Wir haben Restwasser unten drin,
das ist in Ordnung. Das haben wir immer da drin. Alle vier Stunden
gibt es so einen Kontrollgang. Die elektronische Überwachung
in der Zentrale überwacht den Zustand des Bootes. Trotzdem ist eine
regelmäßige persönliche Kontrolle zur Absicherung vorgeschrieben. Ein unbemerkter Wassereinbruch
könnte katastrophale Folgen haben. Auf Tauchfahrt
würde das Wasser unter hohem Druck ins Bootsinnere schießen. In kurzer Zeit könnte nicht mehr
genug Auftrieb vorhanden sein. Das Boot würde unaufhaltsam sinken. Nachdem wir
den Batterieraum gepeilt haben, machen wir eine kurze Kontrolle
unseres Sanitärraumes. Besonders interessant hier
die Abfallschleuse. Weil das eines unserer
größten Bord-Durchbrechungen ist nach den Torpedorohren
und den Turmluken. Wir machen weiter
im Schalttafelraum. Da haben wir auf der Backbordseite
wieder eine Probenflasche. Ja, dass das in Ordnung ist,
sieht man. Hier ist noch mal der Druck.
Ist auch in Ordnung. Hier haben wir
unsere Isolationsmessanlage. So überwachen wir unsere Stromnetze,
unser Hauptnetz und die Unternetze. Werfen da einen Blick rein. Sehen, dass wir auch hier
einen minimalen Wasserstand haben. Hier sind wir
im Zentrale-Geräte-Raum-unten bei der Brennstoffzellenanlage. Hier werfen wir einen Blick
auf die Überwachungsanlage, ob wir Fehler haben,
die wir quittieren. Wir haben große Probleme,
unsere Handtücher zu trocknen. Deswegen haben wir da,
wo wir freien Platz haben, Handtücher aufgehängt. Das ist ein notwendiges Übel,
um den Komfort aufrechtzuerhalten. Noch eine lebenswichtige Einrichtung:
das Schalldämm-Modul. Stahl- und Gummifederpakete
verhindern, dass Motorenlärm nach außen tritt. So ist U 31 leise und für potenzielle
Gegner fast nicht zu orten. Hier hinten
sind wir im Propellermotorenraum. Im Rohrgraben kontrollieren wir
die größeren Bord-Durchbrechungen: Die beiden Seekühlwasserkreise. Bis zu einem Jahr dauert
die Ausbildung auf einem U-Boot. Neben der beruflichen Eignung
und dem Gesundheitscheck ist der Wille zum Teamgeist hier
die wichtigste Voraussetzung. Eine U-Boot-Besatzung
ist ein Hochleistungsteam. Jeder muss im Ernstfall die Aufgaben
der anderen übernehmen können. 55 Anwärter
gab es im vergangenen Jahr. Vier haben nicht bestanden aus gesundheitlichen Gründen
oder aufgrund ihrer Noten. Anno, wie war’s?
Lief soweit alles glatt. Der Obermaat Freund
hat sich gut geschlagen. Ja? Der kann die nächsten Runden
durchaus alleine gehen. Okay. Ich bin zuversichtlich,
dass das läuft. U 31 ist im Kattegat. Das Meeresgebiet zwischen Jütland
und der schwedischen Westküste gilt als
äußerst schwierig zu befahren. (Funk) * Alarm! * (alle) Alarm!
* Alarmsignal * Ja. Brücke von Kommandant.
Warum wurde Alarm ausgelöst? (Funk) * Alarm wurde ausgelöst * * aufgrund simulierter Kollision
im Hinterschiff. * Ja. Tino, was ist mit der Schwimmlage? Die Schwimmlage ist stabil. Ja. Alarm beenden. * Funk – unverständlich * Alarm beenden.
Turmluk, Zentralluk öffnen! * Ja. Das Turmluk wird geöffnet. * Wir hatten eine simulierte Kollision
im Hinterschiff. Das Boot wird
auf Beschädigungen kontrolliert. Wir warten auf die Rückmeldung,
ob alles okay ist. Der STO wird mir das melden.
Bisher sieht’s gut aus. * Zur Übung! Wassereinbruch. * Sieht nicht gut aus. * Wassereinbruch. Zur Übung!* Wir haben
einen schweren Wassereinbruch. Wir werden mit allen Mitteln
versuchen, diesen zu bekämpfen. * Stimmengewirr * Sieht man so ‘nen Typen nicht,
wenn er da langfährt? Ihr habt doch auch alle gelitten! Bleiben Sie mal hier, Herr Bleu!
Erst mal gucken, ob da was ist. Was geht ab? Kann den mal einer festhalten? Tino, hast du das mitgekriegt?
Bleu ist stressverletzt. Ja. Schnell dahin stellen! Auch der simulierte
Nervenzusammenbruch gehört zur Übung. Die Atmosphäre ist angespannt,
alle sind konzentriert. Der wurde erst mal sediert,
ruhig gestellt. Es wird gleich soweit kommen,
dass wir das Boot verlassen müssen. Das geschieht auf Zeit. Das ist eine
der gefährlichsten Situationen: Bergerolle über Wasser. Das Ziel ist, dass das Boot
binnen zwei Minuten durch die gesamte Besatzung
verlassen wird. An den Kommandanten: Der Wassereinbruch ist zu stark.
Boot lässt sich nicht halten. (Funk) * Ja. Maschine Stopp! * Boot wird verlassen,
nur über das Turmluk. Zur Übung: Alle Mann aus dem Boot! (alle) Zur Übung:
Alle Mann aus dem Boot! In der Tasche:
der U-Boot-Rettungsanzug, der ihnen im kalten Wasser
das Leben retten kann. Aufwärts. So, die Zeit läuft. Der sicherste Fluchtweg
führt über die Brücke auf die Back, das Vordeck vom U-Boot. Eine Minute! Eine Minute dreißig. Brücke: Stärkemeldung. (Funk) * 20 Mann sind auf der Back. * Für die erste Bergerolle der Fahrt
war es in Ordnung. Die Zeit
muss aber verbessert werden. Wir haben 3:30 gebraucht,
das ist 1:30 Minute zu viel. Wenn es zu so einer Situation kommt,
muss das klappen, dass die Besatzung schnellstens
aus dem Boot raus. Es gibt Mittel, sich zu verbessern. Das ist die gute Nachricht:
Wir können uns noch verbessern. Alles ist Gewöhnungssache.
So schwer ist das gar nicht. Wenn man kochen kann, gewöhnt man
sich an den Platz, den man hat. Man muss es positiv sehen:
Man muss weniger putzen. Stefan Raddatz ist
seit drei Jahren der Smut an Bord. Heute gibt es
Rumpsteak mit Kartoffelecken. Dazu Spargel im Speckmantel
und Champignons. Das sind 35 Rumpsteaks. Das reicht. Es werden sicher einige überbleiben,
weil nicht alle essen. Gegessen wird
im Rhythmus des Wachwechsels. Alle sechs Stunden löst
die Freiwache die Fahrwache ab. Nach dem Essen beginnt der Dienst. Guten Appetit. Hm, gut. Vierter Tag auf See:
U 31 ist im Skagerrak. Oben auf der Brücke
wird es ungemütlicher. Ein Sturm kündigt sich an. In der Zentrale bereiten sich
die Wachoffiziere darauf vor. Ich werde schauen,
wie das mit dem Wetter ausschaut. Ob wir weiter von oben
wie regulär fahren können. Oder ob wir den Deckel zumachen
und dann von unten weiterfahren, von der Zentrale aus. Sieht nicht gut aus, die Vorhersage
für die nächsten Stunden. Ziemlich großen Wellengang,
werden wir haben. Müssen wir wohl von unten fahren.
Ja. Aber dafür fahren wir U-Boot. Hast ja das Wetter gesehen,
was uns noch draußen erwarten kann. Wir haben die Brücke
schon soweit klar gemacht. Was wir nicht benötigen,
haben wir runtergeholt. Wenn es hart auf hart kommt, können
wir schnell von unten weiterfahren. Brückenscheibe noch oben?
Rettungsmittel? Genau, Schwimmwesten,
Rettungsboje und BFA sind noch oben. Alles andere
haben wir verräumt. Gut. Neben der Wache haben noch maximal
vier Personen Platz auf der Brücke. Begehrte Plätze auch in den Pausen. Geht der Deckel zu, sinkt die Laune. Das ist halt Abwechslung, ne. Total friedlich oder mal so richtig
auf die Fresse, wie man sagt. Dann fluchen wir hier oben auch. Am Ende der Tage sind wir aber froh,
dass wir dabei sein können. Wenn es einfach wäre,
würd’s halb so viel Spaß machen. Das ist ‘n bisschen was für Männer. Frag mich noch mal in drei Stunden,
wenn ich durchgefroren bin. Wenn ich das Gleiche noch sage,
merkst du, ob ich es ernst meine. Positions-, Kurs- und Fahrtbestimmung
ist Aufgabe der Steuerei. Noch liegt U 31 voll im Zeitplan. Unser Weg führte uns von Eckernförde
durch die Dänischen Inseln durch, hoch in den Skagerak
nach Kristiansand. Von Kristiansand geht es
quer durch die Nordsee. Runter an der
niederländischen Küste vorbei. Weiter an der belgischen Küste. Durch die Straße von Dover
und in den Englischen Kanal. Die Gesamtstrecke von Deutschland
über Kristiansand nach Plymouth werden 1000 Seemeilen sein,
knapp 2000 Kilometer. Fast drei Meter haben wir Seegang. Es kann noch
ein bisschen mehr werden. Das ist typisch für die Nordsee,
das ist stürmische Zeit. Nach drei Stunden Brückenwache ist der zweite Wachoffizier
wieder unter Deck. Ich hab’s euch ja versprochen. Klitschnass,
aber ist immer noch geil. Jetzt muss ich mich
erst mal trockenlegen. Ein Deck tiefer in der Messe. Jan Peschek ist Motorenmeister
an Bord und hat Freiwache. Viel Spaß beim Sport! Du gehst zum Sport? Natürlich.
Du hast doch geraucht. Der Weg zum Sport führt ins Heck. Von der Bugspitze bis zum Propeller
ist das Boot 56 Meter lang. Bevor Jan Peschek
diese Tür öffnen kann, muss er einen Druckausgleich
herstellen. Sonst fliegt sie ihm um die Ohren. Im Schalldämm-Modul
herrscht Unterdruck. * Laute Motoren * Im Propellermotorenraum im Heck:
das Fitnessstudio. Das Wichtigste daran: Hier stört man keinen, es erzeugt
ja doch ein bisschen Lärm. Hier wird laut Musik gehört nachher. Und wenn ein paar Gewichte klappern,
das ist auch laut. Deswegen haben wir unser Gym
ganz nach hinten verlegt. Da gehen wir keinem auf die Ketten
und können machen, was wir wollen. Es sein denn,
wir befinden uns im Manöver. Gegen ein anderes U-Boot
zum Beispiel. Dann kann der Alte auch sagen:
“Pass auf, heute kein Sport.” Weil dann doch
die Akustik im Vordergrund steht. Wir sind eine sportliche Besatzung. Wir achten vor jeder Seefahrt drauf,
unsere Sportgeräte mitzunehmen. Sei es Fahrrad, unsere Rudermaschine
oder Thera-Bänder. Ein paar Gewichte und so was. Das macht nicht jede Besatzung in
dem Maße, wie wir das veranstalten. Für mich ist das echt
‘ne Abwechslung zu dem Bord-Alltag. * Laute Heavy-Metal-Musik * Küchendienst und Rein Schiff machen
ist für die Unteroffiziere Pflicht. Wenn das meine Frau zu Hause sieht. Ich wollt grad sagen:
“Wie, der kann abwaschen?” Ich weiß noch nicht mal,
wo die Küche ist. Ein knappes Jahr hast du noch Zeit. Dann kannst du noch
alles Mögliche erzählen. Sonarmaat Finn Kollmann
gehört zu den Jüngsten an Bord. Jeder macht mal die Toilette,
jeder macht mal den Boden. Es ist gar kein Problem. Es ist eine tägliche Wiederkehr,
und man macht es einfach. Es macht halt auch,
muss ich gestehen, auch Spaß. Bringst du mir mal
neue Handtücher? Ja. Und – äh … ‘ne Mülltüte. Yes Sir, that’s it. Motorenmaat Hansi Zörner ist
für die Nasszelle eingeteilt, die an Bord “Bongo” genannt wird. Sechs Quadratmeter,
komplett aus Edelstahl. Bongo putzen macht jeder hier. Also immer mal, das ist abwechselnd. Und heute bin ich halt mal dran. Fünfter Tag auf See. U 31 hat die Hälfte der Strecke
hinter sich. Es wird immer stürmischer. Sieben Windstärken aus Südwest,
bis zu vier Meter Welle. Kapitän Gössing entscheidet:
Auf der Brücke wird es zu gefährlich. Bei so viel Seegang
wird das Turmluk verschlossen. Abtauchen ist keine Option,
U 31 hat dafür keine Erlaubnis. Der Erste Wachoffizier Christoph Ploß
übernimmt die Schicht am Sehrohr. Ohne Brücke
quasi das Fenster nach draußen. Da die Brücke nicht besetzt ist
aufgrund des schweren Wetters, fährt der Wachoffizier
unten aus der Zentrale das Boot. Weil es oben zu gefährlich ist
für das Personal. Die Fahrwache wechselt sich alle
anderthalb Stunden am Sehrohr ab. Gerade bei Seegang
ein anstrengender Job. Marco,
wie sieht der Seegang aus draußen? Zwei bis drei Meter,
in Spitzen vier. Also noch kommt was über. Ich würde das
noch ‘ne Stunde abwarten. Dann können wir uns überlegen,
ob wir von der Brücke weiterfahren. Aber das Wetter wird nicht besser.
Der Deckel bleibt zu. Ich werd denn jetzt wecken gehen,
damit die Leute fit und munter sind. 2 m x 60 cm misst die Koje –
oder der Bock, wie es an Bord heißt. 23 Betten für 27 Mann. Die jüngsten Unteroffiziere teilen
sich ihren Bock im Wachwechsel. Privatsphäre annähernd Null. Wenn Zeit ist, guck ich mal nach
Kaffee, dass immer Kaffee da ist. Hier ist ein Geben und Nehmen. Das ist das U-Boot-Fahrer-Gold, ne.
Hält wach. Draußen sind
immer weniger Schiffe zu sehen. Es gibt eine Sturmwarnung. Die meisten
laufen den nächsten Hafen an. Herr Kapitän, wir haben hier
‘ne Wettermeldung über NAV-Text. Im Gebiet, in das wir hineinfahren,
erwartet man mindestens Windstärke 10,
in Teilen bis 11, mehr als 100 km/h. Dazu Wellenhöhen von bis 3,5 m.
Mehr nicht? Ich vermute mal, das wird noch
ein bisschen mehr werden, oder? Wenn ich jetzt rausgucke,
haben wir schon locker 3,5 m. Na ja, warten wir mal ab. Wir haben Orkanwinde vorhergesagt. Die Wellenhöhe wird noch steigen,
der Wind wird noch weiter zunehmen. Für uns wird die Situation
immer unangenehmer. Sechster Tag auf See. Höhe der niederländischen Küste. Mittlerweile
acht Windstärken aus Südwest. Fünf Meter hohe Wellen. Seit 24 Stunden ist das Turmluk zu. Kein Wachdienst und
kein Luftschnappen auf der Brücke. Bei diesem Seegang
kann keiner an Bord mehr schlafen. Selbst wenn U 31
die Erlaubnis zum Tauchen hätte: Bei fünf Metern Welle bräuchte sie
mindestens 50 Meter Wassertiefe, um ruhiges Wasser zu haben. Auf dem gesamten Weg von U 31 hat die
Nordsee aber nur maximal 40 Meter. Steuermann Sebastian Junior hat
den neuesten Wetterbericht bekommen. In das Gebiet, wo die
Hurrikan-Warnung rausgegeben wurde, da fahren wir gerade rein. Das sind dann Windgeschwindigkeiten
von 120 km/h, die einen erwarten. Oder noch darüber. Die Brücke ist geräumt. Turmluk ist zu. Viel mehr können wir nicht machen. Das ist eigentlich alles. Ausgerechnet jetzt
gibt’s Probleme mit dem Motor. Und das ist keine Übung. Der Druck, der unseren Kraftstoff
fördert, ist abgesunken. Wir müssen gucken, ob ‘n Filter
verstopft oder Luft im System ist. Der Motorenmeister wird
dem auf den Grund gehen. Dafür mussten wir
die Geschwindigkeit reduzieren, dass wir nicht zu viel verbrauchen. Wir versuchen,
das Problem schnell zu beheben. Wenn der Diesel ausfällt,
haben sie ein Problem. Der Dieselmotor treibt den Generator
an und der lädt die Batterie. Aus dieser Batterie wird der Antrieb
samt Propellermotor gespeist. Je stärker der Sturm, desto
höher muss die Motorenleistung sein. Sonst driften sie ab. Wir wechseln erst mal
alle Filter am Diesel. Dann gucken wir, ob das zu einem Ergebnis
zu unserer Zufriedenheit führt. * Maschinenbrummen * Die Filter sahen nicht so aus,
wie sie hätten aussehen sollen. Es sah so aus, als wäre da ein größerer Unterdruck
im Kraftstoffsystem gewesen. Der hat die zusammengezogen. Müssen wir mal sehen, woran’s lag. Es ist nicht angenehm,
weil alles wegfällt. Körperlich ist es auch nicht
so angenehm ab und zu. Gerade das Arbeiten, dass nichts wegfällt und
die Kleinteile nicht wegfallen. Das ist schon ätzend. Weil es fast nicht möglich ist, dass nichts wegkullert,
nichts wegfällt. Und dann auch noch im Bereich
des Motors, wo es heiß ist. Da ist noch mehr Vorsicht geboten, dass man sich nicht verbrennt
und sich nicht irgendwo stößt. Wir sind jetzt so weit, dass wir die Filtereinsätze
getauscht und gereinigt haben. Nun werden wir noch entlüften. Und dann werden wir sehen,
ob der Erfolg da war. Dann stellt ihn an. Es kann sein, dass er
beim ersten Anstellen rumpelt. (Funk) * Dieselmotor
wird angestellt. * * Röhren und Rattern* War erfolgreich, unsere kleine Instandsetzung,
die wir gerade gemacht haben. Der Diesel läuft wieder,
Kraftstoffdruck ist in Ordnung. Es lag daran, dass die Filter,
die wir ausgebaut haben, wirklich gesättigt waren,
verdreckt, verstopft. Wie im Auto auch … Wenn der Kraftstofffilter verstopft
ist, dann fließt kein Sprit mehr. Wir sind zufrieden. Kann also weitergehen. Wir können wieder Gas geben. Hätten wir Ersatzteile mitgehabt,
um das selber zu beheben? Filter haben wir dabei.
Und die Pumpe? Die Pumpe nicht. Da hätten wir
rechts ranfahren müssen. Die Instandsetzung hat Zeit gekostet. Zwei Stunden sind sie
ihrem Zeitplan hinterher. Das ist schlecht, wenn man eine
Verabredung mit der Royal Navy hat. Kleiner Trost: Heute gibt es Kuchen. Na, Smut. Schön am Backen? Ist Scheiße bei dem Seegang, ne? Ich hab keine andere Wahl. Echt? Ich werde gezwungen. Gezwungen? Du hast dir das doch gewünscht, dass du deinen Backkünsten
freien Lauf lassen darfst, oder? Nun musst du sonntags immer den
Kuchen zu Hause backen für Oma. Hat doch alles was Gutes, oder? Was meinst du,
wie sich deine Oma freut? Smut, wir schnacken später, ne?
Alles klar. Am Abend schreibt Lars Gössing seine
Befehle in das “Nachtbefehlsbuch”. Aufgelockert durch einen Cartoon. Galgenhumor ist auch angesagt. Das Wetter soll
noch schlechter werden. Hier ist der Nachtbefehl. Ja. Gib ihn auch an die anderen weiter.
Natürlich. Mann, ich hab den wieder nicht
verstanden. Echt nicht? * U-Thirtyone, U-Thirtyone. * Yes, this is German submarine
U-Thirtyone, over. * I have a view, and I am stopping. * * Just think that I would request
you to kindly keep clear of me. * This is submarine U-Thirtyone. We will keep clear of your vessel
as requested. At least we will keep clear
one nautical, over. * Okay, thank you very much.
And we are standing by one six. * Mit dem Kurs, den wir bis vor
fünf Minuten noch gefahren sind, wären wir relativ knapp
hinter ihm durchgegangen. Wegen des Wetters hat der sich
“dead in water” gelegt. Er bat uns, dass wir eine Meile
Passierabstand zu ihm halten. Daher haben wir
früher den Kurs geändert. Wir sind nicht die Einzigen, die mit diesem super Wetter
zu kämpfen haben, ne. Für morgen ist das Ober-Highlight:
Da lässt zwar der Wind nach. Aber dann hat sich
die See aufgebaut. Die Vorhersage für die Wellenhöhe
ist fünf bis sieben Meter. Ein bis zwei Meter mehr als heute. Der angekündigte Orkan übersteigt
jede Vorhersage bei Weitem. Bis zu zwölf Meter hohe Wellen
im Englischen Kanal. Der Signalmast ist gebrochen. Schlecht für die Marineübung. Keine Ahnung. Wir müssen’s sehen. Wir können nicht tauchen, ohne den
Signalmast abgeschnitten zu haben. Das Scheißding baumelt da rum
und macht alles kaputt. Und wir stehen hier auf der Stelle. Um uns herum fahren noch
zwei Fahrzeuge. Das Wetter ist noch schlechter
geworden, als wir’s erwartet haben. Dann ist heute Morgen der Signalmast
gebrochen, was oberscheiße ist. Der hängt noch am seidenen Faden. Bei dem Wetter lass ich
niemanden auf die Brücke. Das ist lebensgefährlich,
jemanden hochzuschicken, um den abzuschneiden. Wenn der Signalmast abreißen sollte,
haben wir das Risiko, dass er die anderen Ausfahrgeräte
beschädigt. Da brauchen wir das nötige Fortune,
dass uns das nicht passiert. Ach so. Und unsere Tiefkühllast
ist im Arsch. Unsere Tiefkühllast
hat’s auch zerlegt. Die Tür, die aussieht
wie von ‘nem Tresor bei ‘ner Bank, ist rausgerissen. Solche Kräfte wirken hier. Jeder wird durchs Boot geschleudert. Keiner hat mehr
seit zwei Tagen geschlafen. Daher sehen wir aus
wie frischgebackene Zombies. Aber das Käsebrötchen schmeckt. Jo. * Scheppern * Angst habe keiner von seinen Leuten,
sagt der Kommandant. Der Kurs: stumpf gegen den Sturm. Abdrehen wäre noch gefährlicher, weil
die Wellen dann von der Seite kämen. Das ist aber auch selten,
dass man so viel Seegang hat. Da hofft man auch nur,
dass nicht alles kaputt geht und wir so durchkommen,
menschlich und Material. * Scheppern * Hier fliegen Bleche
durch die Gegend. ‘n paar Topfdeckel
oder mal ‘n Backblech. Aber sonst ist hier
noch alles recht stabil. Gott sei Dank. Oder mal ‘ne Spülschüssel,
die wegfliegt. Aber das ist nicht so schlimm. * Lautes Scheppern und Klirren * * Scheppern * (lacht) Smut,
du hast ‘n zweites Problem. Ey, mach die Kombüsentür zu, Hille. Und mach die Augen zu. Regelmäßiges Essen ist für
die Stimmung an Bord enorm wichtig. Doch bei dem Wetter
ist an Kochen nicht zu denken. Ja, so kann es auch mal aussehen. Gut, dass nichts im Kombidämpfer
war, was gekocht wird. Gott sei Dank. Die seitliche Schräglage
nimmt weiter zu. Gefährlich wird es auf Dauer
bei 45 Grad Krängung. Dann kann der Diesel aussetzen. Eben, wo ich oben abgelöst habe, hatten wir einen neuen Rekord,
was die Krängung angeht. Wir waren dann
bei 45,8 Grad Schräglage. Das habt ihr mit Sicherheit
auch gemerkt hier unten, oder? Leck mich doch am Arsch, ey! Das U-Boot kann aufgrund
seiner Statik nicht so weit kippen, dass es kieloben liegen bleibt. Das wissen sie alle. Ja, ist ein bisschen ungemütlich. Vielleicht auch nicht ganz
so erfolgreich wie sonst. Aber es geht, es muss ja gehen. Alles, was nicht
in Halterungen verstaut ist, da besteht die Gefahr, dass es
irgendwann durchs Boot fliegt. So ‘ne Tasse eitert schlecht raus,
wenn die erst mal eingeparkt hat. Außerdem muss ja trotzdem Kaffee und
alles parat stehen für die Jungs. Geschlafen hat ja keiner viel. Je wilder das Wetter wird, desto
ruhiger scheint die Besatzung. * Lautes Tosen * Der Kommandant vermittelt seinen
Männern, die Lage im Griff zu haben. Das, was wir jetzt erleben,
das hab ich noch nie erlebt. Jeder hat schon mal
schlechtes Wetter mitgemacht. Ein, zwei Tage lang. Aber das ist jetzt
der vierte Tag in Folge, dass wir zunehmend
schlechtes Wetter haben. Die Situation, die wir hier erleben
im Kanal, habe ich noch nie erlebt. Wir haben ‘ne Wellenhöhe
von im Schnitt acht Meter. Ist auch sportlich. * Tosen und Peitschen * Für Kapitän Gössing steht
Sicherheit an oberster Stelle. Deswegen befiehlt er
die “Sturmroutine”: Kein warmes Essen,
kein rein Schiff machen. Wer nicht Wache hat,
liegt sicher verkeilt in der Koje. Einer der Marine-Schüler ist
zum allerersten Mal auf See. * Stimmengewirr und Klappern * Florian, wie geht’s dir denn heute? Bloß nicht reden,
lass mich bitte in Ruhe. * Klappern und Rumpeln * U 31 ist im Zentrum des Orkans. * Tosen und Rauschen * Der abgebrochene Signalmast
hängt noch am Boot. Die Gischt der aufgewühlten See
und Regen verschlechtern die Sicht. “Die perfekte Welle”
würde jetzt passen. Ja, danke. Du kannst ja witzig sein. Seit fünf Stunden wütet der Orkan. Tiefe: Zwölf – zwo. Krängung: 38. Wir haben das Problem,
dass wir wie ‘n Spielball sind. Die Wellen kommen auf das Boot
und treffen direkt drauf. Dadurch, dass wir
‘ne kleine Einheit sind, spielen die Wellen mit uns. Es ist wie ‘n Tennismatch,
pro Welle. Wer will uns irgendwohin
positionieren und ‘n Point machen. E-Meister? Ja. Es kann sein, dass wir mit der Geschwindigkeit
noch mal rangehen müssen. Wenn wir unter drei Knoten fallen,
dann verdriften wir nach Steuerbord. Das können wir uns nicht leisten. Dadurch, dass wir die See
und den Wind von gegen an haben, werden wir sehr langsam. Wir laufen Gefahr, dass wir
schneller nach Steuerbord treiben. Das wollen wir nicht. Gerade hier im Englischen Kanal, enges Gewässer
und hohe Verkehrsdichte. Da wollen wir gucken, dass wir da
möglichst sauber durchkommen. Die Belastung geht bei diesem Orkan
ins Extreme. Gerade für die Wachoffiziere
am Sehrohr. Hier am Sehrohr ist man sehr
anfällig bezüglich Seekrankheit. Und man muss, gerade bei dem Wetter,
auf abgerissene Tonnen achten sowie runtergefallene Container,
die im Wasser rumtreiben. Das ist so die Herausforderung,
das bei dem Seegang zu erkennen. * Tosen und Rauschen * Die Prioritäten
haben sich verschoben. Der ursprüngliche Ansatz
ist nun eher zweitrangig: Dass wir so schnell wie möglich
aus dem Skagerak fahren in die Übungsgebiete bei Plymouth,
um am FOST-Support teilzunehmen. Das ist im Moment eher nachrangig. Primäres Ziel besteht darin,
überhaupt heile anzukommen, ohne weiteren Schaden
am Boot zu verursachen. Aus dem Grund wird
unsere Geschwindigkeit angepasst. Auch das Einlaufen in Plymouth
wird sich verspäten. Zwölf Uhr.
Wachwechsel und Mittagessen. Lecker Wurst. Heute gibt’s
Toastbrot mit Würstchen. Running Table. Und Schlotze. Köstlich. Die Sachen, die der Stefan
sonst macht, sind Bombe. Aber das geht jetzt nicht. Wenn man hier schick Rouladen
und Klöße auf den Teller packt, kullern die runter. Deswegen müssen wir improvisieren. Komm Manni,
für dich mach ich mal mit Liebe. Schön viel Früchte. Hm … jam, jam. Ja, Schlotze. Das reicht. Jam, für den EinsWO
mit Liebe gemacht. Wer möchte noch Schlotze? Kommandant hier? Ja. Lars, Antwort aus
dem Flottenkommando von DOSUB. Hervorragend. Wegen der weiteren Planung. Sehr schön, also … Sehr gut, wir werden also …
am 31. … … den Engländern unterstellt. Drei Tage später als geplant.
Nee, zwei Tage später als geplant. Sehr gut. “Eckernförde wird informiert.
Und das Wetter ist scheiße.” Ja, da hat er recht. Aber sie würden es
gerne für uns ändern. Und wir sollen uns
auf ein Bier im “Barbican” freuen. Sehr geil, sehr geil. Lass mich mal durch,
ich schreib ‘ne Antwort. Ist noch Schlotze da, Jungs. Hast gut gekocht, Smut. Der Höhepunkt des Orkans
ist überstanden. Kapitän Gössing ist
seit 24 Stunden auf den Beinen. Es geht voran. Das ist ‘n gutes Gefühl. Wenn man weiß, dass alle anderen
Stellen das ernst nehmen und unsere Lage verstanden haben. Nach vier Tagen Sturmfahrt,
Höhe Dover, an der englischen Küste. Noch sieben Windstärken aus Südwest
und vier Meter Welle. Ich bin guter Hoffnung, dass wir
wieder auf die Brücke kommen. Das Wetter hat sich verbessert. Dass keine Lebensgefahr
mehr besteht, und dass wir ab heute
wieder von oben fahren können. Das wird heute
vielleicht der Fall sein. Ich freu mich auch, euch zu sehen. Ist einfach traumhaft hier. Es war ‘s erste Mal,
dass ich gut geschlafen habe. Ich auch.
Ich hab auch gut geschlafen. Wie ein Stein.
Bis ich geweckt wurde. Hat man … Vize, hast du auch versucht,
mich zu wecken vorhin? Und? Erfolglos. Hat nicht funktioniert. Ich war wach?
Ich kann mich nicht erinnern. Möchtest du dir
das Wetter angucken? Die Kreidefelsen von Dover. Der Kapitän gibt endlich
die Brücke wieder frei. Brückenwache: sich klarmachen. Wie wir es schon vermutet haben, werden wir gleich wieder
mit der Brückenwache aufziehen. Das Turmluk öffnen,
die Brücke wieder seeklar machen und von oben weiterfahren. Seid ihr klar oder was, Christoph? Ja, ich warte noch auf den Ausguck,
der zieht sich gerade an. Aufwärts! Schadensbegutachtung
auf dem 500 Mio. Euro teuren Boot. Die Schleppleine
hat sich losgerissen, um die Ausfahrgeräte gewickelt
und hängt über dem Heck raus. Hätte die sich
im Propeller verfangen, wäre U 31 in Seenot geraten. Die Positionslaterne aus
10 cm Plexiglas – eingedrückt. Der Signalmast aus Edelstahl –
abgeknickt. Schadenshöhe – Geheimsache. Das sieht oben echt nicht gut aus. Die Schäden sind schlimmer,
als wir zunächst angenommen haben. Wir sehen zu, dass wir so schnell
wie möglich nach Plymouth kommen. Dann ist erst mal Zeit,
die Wunden zu lecken. Denn so können wir
nicht weiterfahren. Aber es gibt auch gute Nachrichten:
Handyempfang. Die Liebste schreibt. “Ich geh davon aus, dass ihr euch
unter Wasser versteckt.” Zwar nicht direkt unter Wasser,
aber zumindest nicht auf der Brücke. “Echt übel, der Norden ist im Chaos. Aber es soll besser werden. Donnerstag soll das Wetter
wieder gut sein. Bitte melde dich.
Ich vermisse dich.” Ich schreib schon mal vor. Denn wenn ich gleich wieder
auf Brücke gehe und Marco ablöse, dann ist vielleicht Empfang
und ich kann die Nachricht senden. Wo ist denn Lars? Bei sich im Schap. Ich schlag vor, dass wir die Leine
aus ‘m Verkehr ziehen da oben. Nee, nee, nee. Wir machen gar nix. Ich schick da keinen hoch. Lass so, wie’s ist. Wir setzen die Ausfahrgeräte fest. Wo willst du die hin packen? Du kannst sie in die Brücke
unten an die Seite packen. Dann ist sie aus den Ausfahrgeräten
raus. Die hängt doch fest. Ich will nicht,
dass da einer noch rumfuhrwerkt. Das ist so schon Scheiße genug. Mir ist das egal. Den Gurt hätte ich mir
auch selbst angezogen. Am Abend
hat sich die Nordsee beruhigt. Die normale Bordroutine
setzt wieder ein. Jeder, der jetzt Freiwache hat, nutzt die Chance
zum persönlichen Klarschiff. * Funkspruch – unverständlich * Fertig? Los, tauschen hier! So, Tür zu! Kolle, rein hier! Nach zehn Tagen Fahrt nur noch
wenige Stunden bis zum Zielhafen. So sehr hab ich mich lange nicht
auf ‘nen Hafen gefreut. Das ist der Lichtblick. Endlich einlaufen
und schlafen wie ‘n Mensch. Super, ich freu mich einfach. Auch die Besatzung freut sich
auf festen Boden unter den Füßen. Die anderen Teilnehmer
der Marineübung konnten gar nicht erst auslaufen. Empfangskomitee
in der Bucht von Plymouth. Durch die notwendigen
Reparaturen am Boot kommt die Besatzung
in den Genuss von freien Tagen. U 31 hat einen
ungewollten Härtetest bestanden. Noch nie zuvor ist
ein U-Boot der 212-Alpha-Klasse in so schwere See geraten. Guten Tag, Besatzung Delta! (alle) Guten Tag, Herr Kapitän! Augen geradeaus!
Besatzung Delta rührt euch! Wir sehen hier zwei Dinge. Der EinsWO sagte zwar, es hat
keiner Schaden davon getragen. Trotzdem sehen wir zwei Sachen: Das ist zum einen ‘ne Besatzung,
die so was von seefest ist. Die ihre Zeit verdient hat,
um sich zu erholen. Was wir noch sehen ist ‘n Boot,
das durch den Orkan gegangen ist und das gepflegt werden muss. Auf mein Kommando Besatzung Delta:
Still gestanden! Nach vorne zum Einlaufbier,
wegtreten! (alle) Klarmachen zum Peilen! Das Einlaufbier
ist bei U-Bootfahrern Tradition. Diesmal ist es so begehrt wie nie. Peilung, Achtung!
(alle) Peilung, Achtung! A Null. (alle) A Null. Nach der Instandsetzung von U 31
beginnt die Marineübung: Kommandant und Besatzung
haben den Auftrag, ein feindliches U-Boot
für die Royal Navy zu simulieren. Sie werden an der Atlantikküste
Englands auf Tauchfahrt gehen. Copyright Untertitel: NDR 2015

100 thoughts on “U-Boot: Die Orkanfahrt der U31 | die nordstory | NDR Doku”

  1. Wen es interessiert: das Plakat das bei dem Kapitän hängt stammt von einem deutschen Propagandafilm von 1918, der sich mit dem uneingeschränkten Ubootkrieg befasst, den der Kaiser anordnete und aufgrund dessen die USA in den ersten Weltkrieg eintraten. Jeder kann seine eigene Meinung zu solchen Filmen haben, aber meine ist, dass so ein Plakat nichts in einem Uboot der BRD zu suchen haben sollte!

  2. Hut ab vor U-Boot Kommandant Gössing! Sehr guter, kameradschaftlicher Führungsstil! Ich denke aber- A: NUR Er sollte entscheiden wann sein U-Boot komplett taucht oder wann es über Wasser fährt! Dass kann kein Sesselfurzer in Berlin entscheiden. Und B: was für eine Schande für unsere Marine. Ein millionenteures, hochgelobtes Tarn-Uboot, an dem ein Edelstahlmast reißt! Da ist meiner Meinung nach ein Starensemble mit einer Mülleimerausrüstung unterwegs! Wer ist Schuld? Wieder niemand-unverantwortlich unseren Soldaten gegenüber!

    PS: Vor allem, der Kapitän ist sehr verantwortungsvoll gegenüber seiner Besatzung. RESPEKT!!!

  3. Ich versteh das alles nicht. Es herrscht ja zur Zeit zum Glück mal kein Krieg in der Nordsee, und das U boot ist trotzdem kaputt gegangen und wäre sogar fast in Seenot geraten! Wie kann es denn sein, dass das U-Boot so manchem Beschuss Stand halten können muss, aber alleine durchs Fahren schon beschädigt wird?

  4. "2 Tonnen Lebensmittel gehen an Bord."
    Von Hand! Man denkt gar nicht daran, wie viel Material über diese Luken eingelagert werden muss.

  5. o Gott ist das alles peinlich …. ich dachte natürlich, bei so nem deutschen U-Boot wäre alles High Tech, statt dessen überall Wäscheleinen und die Schubladen gehen vom Seegang auf und zu, dann bricht noch der Mast ab und das schiff kann nicht mehr tauchen, der Diesel droht auszusetzen bei Schräglage … das gibts doch alles garnicht … 🙁
    Zitat Kapitän: "die größte Herausforderung ist, die Besatzung heile nach Hause zu bringen"
    PS: mich würde mal interessieren, wie sowas bei den Amerikanern funktioniert…

  6. -keine Ölpumpe – dann hätten wir rechts ran fahren müssen…. cooler Humor! und so soll es ja sein. Nervosität bringt ja auch nichts. Hut ab aber auch vor der Kameracrew. – Florian wie geht es dir den heute-? Das war doch eine weibliche Stimme? Oder habe ich mich verhört? Glaub ich aber nicht.. War das eine Stimme vom Filmteam? WAREN die schon mal auf einem U Boot? Bei so einem Sauwetter?

  7. @14:42 der typ ´Kaleu…wie soll der den sporttest bestanden haben sollen….der is auf dem posten genau wie von der Leyen ins Europaparlament zur Präsidentin der Europäischen Kommission gewählt wurde….zum kotzen….

  8. Die Doku ist gut . Unsere Soldaten sind besser ,als viele denken . Der Alltag an Bord wurde vom Kameraeam gut eingefangen .

  9. Das sah in "Das Boot" alles nicht so sauber und ordentlich aus! Und einen Fitness Raum hatten die auch nicht!

  10. Sehr coole Doku bin mittlerweile Fan von der Doku der U31 der befehlshabene ist extrem sympatisch und die Darstellung sehr authentisch sehe die zum dritten mal 😀

  11. Die geben zig millionen für ein U-Boot aus aber können sich keine abschließbaren Schränke leisten? Min 41:00

  12. "Dort werfen wir einen Blick auf eventuelle Fehler, die wir dann einfach quittieren".. Au weia, das klingt aber nicht so professionell. Fehler sollte man erst dann quittieren, wenn man auch wirklich die Ursache überprüft hat (oder sie behoben hat).

  13. Tja, und nun liegen sie alle auf Reede oder in der Werft. Kein Boot ist draußen oder auch nur einsatzbereit.

    Danke Uschi, danke Merkel, danke liebe Beraterschmarotzer.

  14. Gibraltar ist so eng wie 'ne Jungfrau. Wenn wir da durch wollen, können wir den Kahn mit Vaseline einschmieren.

  15. Wir haben so viel Ausgaben bei der Bundeswehr, trotzdem bekommen die Soldaten als Verpflegung das Billigste vom Billigsten.

  16. Die Marine ist die einzige Truppengattung(Eigentlich nur dii U-Boot Flotte) die noch wirklich Tradition hat. Schade.

  17. Hier merkt man das Deutschland Probleme mit militärischen Geräten hat das alles im A… ist man sieht ja hier im Video Sende mast abgerissen türe von der kühlkammer hinüber xD Armes Deutschland

  18. Bei dem Seegang in einer geschlossenen engen Stahlröhre hätte ich mir die Seele aus dem Leib gekotzt🤮…. Die Männer haben einen Magen aus Leder… 👍👍

  19. Die Größe erinnert an einen Kanutyp, Boote zu Beginn des Krieges, die wahrscheinlich manchmal in der Nähe ihrer im Krieg verstorbenen Vorgänger unter Wasser fahren.Das Plakat des Ersten Weltkrieges ist an der Wand zu sehen, obwohl man sich nur ein Bild von einem U-Boot machen kann, in extremen Fällen ein Porträt von Admiral Dönitz, in der alten deutschen Tradition für die gesamte U-Boot-Flotte.

  20. Wer hätte gedacht, dass es in der Nordsee stürmisch werden kann? Welch eine Überraschung! Die Schleppleine hat sich losgerissen!!!! Ist das Boot für den Bodensee gebaut worden? Unglaublich!!!…. Schadenshöhe? Geheimsache!……. Der Steuerzahler hat es ja.

  21. Ein U-Boot was nicht abtaucht und Probleme mit dem Wellengang hat. Meine Güte, was machen die erst wenn U-Boot Jäger aufkreuzen, die Surfbretter rausholen?

  22. 54:02 Vielleicht hätte er auf seine Frau hören sollen! Habe mich die ganze Zeit gefragt was der Blödsinn soll? 5 Meter unter Wasser und es wäre Ruhe in der Kiste gewesen. Keine Schäden, guter Speed, kein Risiko heruntergefallene Container zu rammen, kein Risiko die Schlepptrosse in die Schraube zu wickeln und kein Risiko das jemand von der Mannschaft sich in der schwankenden Sardinenbüchse doch irgendwie die Zähne aus oder den Schädel einschlägt. Aber nein man hat ja keine Erlaubnis zum Tauchen. Wie bescheuert ist das dann.
    Militärischer Gehorsam in allen Ehren aber darf man diesen wirklich über den gesunden Menschenverstand stellen? Aus meiner Sicht ist das einfach nur schlechte Seemannschaft und alles andere als professionell.

  23. 2 Tonnen Lebensmittel, 14 Tage, 28 Mann Besatzung…
    Das sind 5Kg Lebensmittel pro Person pro Tag. Auch wenn die Verpackung mitgerechnet wurde ist das schwer nachvollziehbar.
    Kann das mal jemand erläutern?

  24. dass es sich um ein westdeutsches Boot handelt sieht man an den vielen Bananen am Himmel. und natürlich auch am Zustand der Ausrüstung. Bisschen Wind und schon fällt der Pott auseinander. Ich finde es beschämend, bei einem Preis von 500Mio Euro solche Ikea Möbel einzubauen. Aber wenigstens die Jungs sind top.

  25. Wieder mal so ein aufgeblähter Kase ! Bin in den 60ern mit U7 (S186) in der Nordsee oberhalb von Helgoland unterwegs gewesen bei ebenso schwerer See, so ein Theater haben wir darum nicht gemacht, wie hier dargestellt und unser Boot hatte unter 500t.
    Auf dem Boot so rumzubrüllen mit Kommandos, war verpöhnt, uns hättense die Fresse poliert bei so einem Gebrüll. Uboot-Schleichschuhe haben doch da den Sinn verfehlt.
    Wir waren nur Ubootfahrer und gut.
    Naja ich war Sonarmixer, da brauchste nicht so einen Lärm

  26. Als Kapitän würde ich ja darauf bestehen dass beim Auslaufen die Musik von "Das Boot" durch die Bordanlage gejagd wird 😀

  27. Selten so viel gelacht bei einer Doku 😂 Echt eine super Besatzung 👍😂 Geil ist auch wir fahren durch den dicksten Sturm und alle anderen Laufen erst gar nicht aus 👍

  28. Diese Truppe ist weit entfernt von der Härte und Professionalität der deutschen U-Bootfahrer des 1. und 2.Weltkriegs. Jammern bei 4 Tage schlechtem Wetter und auf hohem Niveau. 😂

  29. Bei 35:44 Ersatzteile wie Filter haben wir dabei… Nee Pumpe aber nicht, da hätten wir rechts ran fahren müssen… Bei offener und stürmische See… Lol

  30. Bei 29:24 habe ich eine Frage: die Wellenhöhe am Meer wird öfters auch so gemessen, es sei die Hälfte zwischen Wellental und Wellentopf. Also was wir alle 4 Meter Wellen nennen, ist offiziel eine Welle von 2 Meter höh. Genau, dazu gehört ein Tal das auch 2 meter tief ist. Und das ist nur ein Mittler Wert, dass heisst die Signifikante Wellenhöhe. Einige grosseren Wellen gibt's noch dazu.
    Ist es möglich das eine Navtex Wettervorhersage einfach die richtige, zwar die offizielle Wellenhöhe gibt? Also 2.5 Meter seht draussen natürlich aus wie etwa 5 Meter?
    Aber so etwas weisst der Kapitän doch auch? Sonnst ist 10 Bft Sturm und nur 2.5 Meter Wellen doch sehr fremd? Weshalb sind die zwei Männer hier doch ein bisschen überrascht? 5 Meter Wellen mit der Amateur-Wellenhöhen-Messung werden von Meer-Profi's wirklich 2.5 Meter Wellen genannt. Der Kapitän ist doch ein Profesional?! Keine Frage, na? Erwartet er noch höhere Wellen? Dann wird's ganz schwer!

  31. Ich habe keine Ahnung von der Seefahrt, warum taucht das U-boot nicht unter dem Unwetter weg? Dazu wurde es gebaut. Oder ist es egal und unter Wasser genau so schlimm wie oben?

  32. Frage mich welch geringer Prozentsatz der Deutschen Marine überhaupt einsatzbereit ist?
    Da las man ja bereits Unglaubliches!

  33. Wirklich nicht böse gemeint, aber jedesmal wenn ich Berichte über unsere Streitkräfte sehe, denke ich mir wir sollten sie komplett abschaffen. Diese Milliarden an Euros Jahr für Jahr, sind Verschwendung. Mir kann keiner das Gefühl vermitteln, das diese Männer und Frauen in der Lage wären Deutschland im Ernstfall zu verteidigen. Also warum nicht dieses Wahnsinns Budget ( ja ich weiß im Vergleich zu anderen Ländern gering) komplett für die Bevölkerung und unsere Infrastruktur nutzen. Das Märchen mit "Deutschland muss sich verteidigen können glaube ich schon lange nicht mehr." Wenn die Regierung Millionen illegale ohne jede Kontrolle ins Land lässt, dann ist das doch wohl ne Farce an sich. Ich bin durchaus bereit mich auf neue Gegebenheiten einzustellen, jedoch nicht auf sinnlose Geldvernichtungsmaschinen, wie die Bundeswehr eine ist. Wir brauchen kein Militär mehr, denn Deutschland mit seiner Bevölkerung und seinen Landesgrenzen gibt es seit 2015 nicht mehr, auch wenn die Regierung es den Leuten immer wieder einredet, wie ein Mantra.

  34. Keine Torpedos in den Rohren. Tauchen nur, wenn es das Flotillenkommando erlaubt. Egal, ob es der Sturm zu

    Klumpatsch haut. Das ist wohl bezeichnend für den Zustand der deutschen Streitkräfte.

  35. Also, ich bin auch zur See gefahren – aber auf keinem meiner Schiffe sind die Schränke aufgesprungen. Jungs mal richtig laschen lernen und Knebelhaken auch benutzen.

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